Im Sommer fühlt sich Homeoffice oft wie ein Sparprogramm an: weniger Fahrten, weniger Ausgaben unterwegs. Im Winter sieht die Rechnung anders aus. Die Wohnung muss länger und stärker beheizt werden, Licht und Technik laufen mehr Stunden, gleichzeitig verändern sich Pendelbedingungen und Essgewohnheiten.
Dieser Vergleich zeigt, wie sich zwei Verhaltensweisen auf dein Winterbudget auswirken:
Alle Zahlen sind fiktive, aber realistische Durchschnittswerte für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Sie helfen dir, das Prinzip auf dein eigenes Haushaltsbuch zu übertragen.
Im Winter verschieben sich vier große Kostenblöcke, je nachdem, ob du zu Hause oder im Büro arbeitest:
Die Kunst liegt darin, diese Blöcke nicht isoliert, sondern im Zusammenhang zu sehen.
Die folgenden Beispiele gehen von einer Arbeitswoche mit 5 Tagen im Winter aus und vergleichen:
Die Beträge sind Monatswerte.
Annahme: 30 m²-Wohnung, Gasheizung, gute Anbindung mit Semesterticket.
| Kostenart | Modell 1 3 Tage Homeoffice | Modell 2 1 Tag Homeoffice |
|---|---|---|
| Heizung (zusätzlicher Winter-Mehrverbrauch durch Homeoffice) | ca. 20 € | ca. 10 € |
| Strom (PC, Licht, Warmwasser) | ca. 10 € | ca. 5 € |
| Pendelkosten (Semesterticket anteilig) | ca. 15 € | ca. 20 € |
| Verpflegung unterwegs (Kaffee, Snacks, Mensa) | ca. 35 € | ca. 55 € |
| Gesamtkosten | ca. 80 € | ca. 90 € |
Fazit für Studierende: Mehr Homeoffice kann trotz etwas höherer Heiz- und Stromkosten im Winter günstiger sein, vor allem wenn das Ticket günstig oder ohnehin notwendig ist und die Verpflegung unterwegs deutlich teurer ausfällt.
Annahme: 60 m², Zentralheizung, Pendeln mit ÖPNV ohne Jobticket.
| Kostenart | Modell 1 3 Tage Homeoffice | Modell 2 1 Tag Homeoffice |
|---|---|---|
| Heizung (Mehrverbrauch Winter durch Homeoffice) | ca. 45 € | ca. 25 € |
| Strom (Laptop/PC, Licht, ggf. Wasserkocher) | ca. 15 € | ca. 8 € |
| Pendelkosten (Monatsticket oder Einzelfahrten) | ca. 60 € | ca. 90 € |
| Verpflegung unterwegs | ca. 40 € | ca. 70 € |
| Gesamtkosten | ca. 160 € | ca. 193 € |
Fazit für Singles: Sobald die Pendelkosten merklich ins Gewicht fallen, lohnt sich ein gut organisiertes Winter-Homeoffice finanziell oft – vorausgesetzt, die Wohnung wird nicht komplett durchgeheizt, sondern gezielt nach Bedarf.
Annahme: 110 m², zwei Erwachsene (einer im Homeoffice, einer überwiegend im Büro), ein Schulkind. Pendeln mit Auto.
| Kostenart | Modell 1 3 Tage Homeoffice | Modell 2 1 Tag Homeoffice |
|---|---|---|
| Heizung (Mehrverbrauch, weil tagsüber warm gehalten wird) | ca. 60 € | ca. 35 € |
| Strom (Arbeitszimmer, Licht, Technik) | ca. 20 € | ca. 10 € |
| Autokosten (Sprit, Verschleiß) | ca. 90 € | ca. 140 € |
| Verpflegung unterwegs (Kantine, Bäcker) | ca. 60 € | ca. 90 € |
| Gesamtkosten | ca. 230 € | ca. 275 € |
Fazit für Familien: Hier frisst das Auto meist den größten Teil des Budgets. Mehr Präsenz im Büro lohnt sich finanziell selten, wenn der Arbeitsweg lang und die Kantine teuer ist. Dafür steigt beim Homeoffice der Heizbedarf – besonders, wenn mehrere Räume gleichzeitig warm gehalten werden.
Heizung ist der entscheidende Kostenblock im Winter-Homeoffice. Mit ein paar Anpassungen lässt sich der Mehrverbrauch erstaunlich gut begrenzen.
Wichtig ist, dass sich deine Heizstrategie an den Homeoffice-Tagen orientiert. Typisch sinnvoll ist:
In vielen Haushalten läuft die Heizung im Winter auf „Dauerbetrieb“. Sparsamer ist:
Oft reicht es, den Arbeitsraum tagsüber moderat warm zu halten und erst zum Feierabend die Wohnräume etwas hochzufahren.
Anstatt die ganze Wohnung auf Bürotemperatur zu bringen, lohnt sich ein punktuell warmer Arbeitsplatz. Das bedeutet: lieber dich und deinen unmittelbaren Umkreis wärmen als alle Räume.
Zusatzheizungen mit Strom können praktisch wirken, sind aber oft teuer im Betrieb. Sinnvoll sind sie vor allem dann, wenn:
Steigt die Raumtemperatur insgesamt deutlich, können die Stromkosten den Vorteil schnell auffressen. Hier hilft es, in deinem Haushaltsbuch einen eigenen Stromposten für den Winter anzulegen und nach einigen Wochen den Unterschied zu prüfen.
Ob Winter-Homeoffice wirklich günstiger ist, hängt stark vom Weg zur Arbeit und deinem Essverhalten ab.
Berücksichtige nicht nur das Ticket oder den Sprit, sondern auch:
Ein Beispiel: 20 km einfacher Arbeitsweg mit dem Auto, 4 Tage Büro pro Woche, 16 Fahrten im Monat. Bei 0,25 € pro Kilometer liegen die monatlichen Kosten schon bei:
20 km x 2 x 16 Fahrten x 0,25 € = 160 €
Reduzierst du auf 2 Tage Büro (8 Fahrten), halbieren sich diese Kosten fast.
Im Büroalltag schleicht sich schnell ein Muster ein:
Selbst bei moderaten Preisen kommen pro Tag leicht 6–10 € zusammen. Im Homeoffice kosten Kaffee und Essen aus dem eigenen Vorrat oft nur einen Bruchteil.
Die folgende Tabelle zeigt typische Unterschiede pro zusätzlichem Bürotag im Winter:
| Typ | Mehrkosten pro zusätzlichem Bürotag | Einsparung zu Hause |
|---|---|---|
| Studierende mit Semesterticket | ca. 4–6 € (v. a. Snacks, Mensa) | ca. 1–2 € Heiz- und Stromersparnis |
| Single mit ÖPNV-Ticket | ca. 8–12 € (Ticketanteil, Verpflegung) | ca. 2–3 € Heiz- und Stromersparnis |
| Familie mit Auto | ca. 12–20 € (Sprit, Verschleiß, Verpflegung) | ca. 3–4 € Heiz- und Stromersparnis |
Für viele Haushalte gilt: Ein zusätzlicher Tag im Büro spart zwar etwas Heizenergie, verursacht aber schnell ein Mehrfaches an Pendel- und Verpflegungskosten.
Um herauszufinden, welches Arbeitsmodell dein Budget wirklich entlastet, lohnt sich ein kleiner „Wintertest“ über 4–6 Wochen.
In deinem digitalen Haushaltsbuch kannst du gezielt Kategorien für die Wintermonate anlegen, zum Beispiel:
Wichtig ist, diese Posten konsequent und möglichst zeitnah einzutragen.
Teile einen Wintermonat (oder besser sechs Wochen) in zwei Phasen:
Trage alle relevanten Ausgaben ein und notiere dir kurz, wie viele Homeoffice- und Bürotage du in jeder Phase tatsächlich hattest.
Am Ende vergleichst du die Summen der beiden Phasen:
Teile anschließend die Gesamtkosten der Phase durch die Anzahl der Arbeitstage. So erhältst du einen durchschnittlichen Kostenwert pro Arbeitstag in beiden Modellen und kannst klar sehen, welches Verhalten für deinen Haushalt günstiger ist.
Es gibt keine pauschale Antwort, aber einige typische Muster:
Im Winter entscheidet nicht nur die Temperatur draußen darüber, ob Homeoffice oder Büropräsenz günstiger ist, sondern vor allem das eigene Verhalten: Wie konsequent werden Heizzonen eingerichtet, wie oft wird das Auto bewegt, wie viel Geld fließt jeden Tag durch den Kaffee am Bahnhof und das spontane Mittagessen in der Kantine?
Wer die eigenen Heizzeiten gezielt an Homeoffice-Tage anpasst, den Arbeitsplatz punktuell wärmt und gleichzeitig Pendel- und Verpflegungskosten im Blick behält, kann auch in der kalten Jahreszeit spürbar sparen. Ein eigener „Winter-Homeoffice“-Posten im Haushaltsbuch zeigt innerhalb weniger Wochen, welches Arbeitsmodell sich tatsächlich bezahlt macht.