Wenn es draußen kalt und dunkel wird, wandert der Alltag ins Wohnzimmer: Heizung hochdrehen, Filmabende, Lichterketten, Kerzen und vielleicht noch ein kleiner Heizlüfter neben dem Sofa. Vieles davon gilt als harmlos oder sogar als Spartipp. Ein genauer Blick zeigt jedoch: Manche Winter-Gewohnheit ist teurer als gedacht, andere dagegen sind fast kostenlos.
Dieser Mythos-Check räumt mit typischen Denkfehlern auf und zeigt, welche Entscheidungen sich im Haushaltsbuch wirklich bemerkbar machen.
Heizlüfter wirken praktisch: Stecker in die Steckdose, warme Luft sofort. Viele glauben, das sei sparsamer, als die zentrale Heizung höher zu stellen. Das stimmt nur sehr selten.
Typische Daten:
Berechnung für einen Abend:
30 Abende im Monat:
Das ist allein für die zusätzliche Heizlüfter-Wärme im Wohnzimmer – andere Geräte sind dabei noch nicht eingerechnet.
Zimmerheizungen arbeiten mit Gas, Fernwärme oder einer zentralen Wärmepumpe. Sie sind für die Raumheizung optimiert und meist deutlich günstiger als Stromheizungen.
Grobe Faustregel:
Umgekehrt bedeutet 1 Grad mehr: etwa 6 % höhere Heizkosten. Beispiel für eine typische 70-Quadratmeter-Wohnung:
| Variante | Nutzung | Monatskosten (Beispiel) |
|---|---|---|
| Heizlüfter im Wohnzimmer | 3 Stunden täglich | ca. 63 Euro zusätzlich |
| Zentralheizung +1 Grad | ganze Wohnung | ca. 7,20 Euro zusätzlich |
| Zentralheizung +2 Grad | ganze Wohnung | ca. 14,40 Euro zusätzlich |
Ergebnis: Ein regelmäßig genutzter Heizlüfter ist in den meisten Fällen deutlich teurer als 1–2 Grad mehr an der zentralen Heizung. Sinnvoll kann er nur sein, wenn er extrem begrenzt genutzt wird, zum Beispiel für 10–15 Minuten im Bad – nicht für jeden Winterabend im Wohnzimmer.
Kerzenlicht ist stimmungsvoll – und wirkt gleichzeitig wie ein Spartipp: Licht aus, Kerzen an. Doch die Stromersparnis ist kleiner als gedacht.
Angenommen, im Wohnzimmer brennen abends drei LED-Lampen:
Stromverbrauch pro Abend:
Auf den Monat gerechnet (30 Abende):
Wird das Wohnzimmerlicht komplett durch Kerzen ersetzt, spart das also im besten Fall unter 1 Euro im Monat.
Dafür bräuchte es schon mehrere Teelichter oder Stumpenkerzen pro Abend. Die kosten im Einkauf meist deutlich mehr als die Stromersparnis, von Sicherheit und Luftqualität ganz abgesehen.
Fazit: Kerzen sind schön für die Stimmung, aber kein ernsthafter Hebel für die Stromrechnung. Wirklich lohnend wird es erst dort, wo noch alte Leuchtmittel durch LEDs ersetzt werden.
Lichterketten gelten als klassischer Stromfresser. Das stimmt vor allem für alte Modelle mit Glühlämpchen. Moderne LED-Lichterketten sind dagegen recht genügsam.
Beispiel für eine LED-Lichterkette im Wohnzimmer:
Berechnung:
Eine einzige LED-Lichterkette ist also nicht das Problem. Mehrere Ketten, dazu noch Leuchten mit alten Halogen- oder Glühbirnen, können zusammen aber durchaus spürbar werden.
Viele Winterabende enden auf dem Sofa mit Serien oder Filmen. Im Vergleich zu Restaurant oder Kino ist das zwar günstiger, aber auch hier summiert sich der Strom.
Typischer Filmabend in einer Familie oder WG:
Verbrauch pro Abend:
30 Abende im Monat:
Der Strom für die Technik ist also gar nicht so teuer. Richtig ins Gewicht fällt der TV-Marathon oft an anderer Stelle: Snacks, Lieferessen, Getränke. Diese Ausgaben tauchen im Haushaltsbuch viel deutlicher auf als der Strom selbst.
Dennoch lohnt es sich, die Geräte effizient zu nutzen.
Viele Wohnzimmergeräte laufen dauerhaft im Bereitschaftsmodus: Fernseher, Soundanlage, Spielekonsole, Receiver, Router, Ladegeräte. Jedes einzelne Gerät verbraucht wenig, zusammen entsteht jedoch ein Dauerstrom, der Monat für Monat mitläuft.
Ein Beispiel-Wohnzimmer mit:
Gesamt: 17 Watt Standby-Leistung = 0,017 kW, rund um die Uhr.
Verbrauch im Monat:
Aufs Jahr gerechnet sind das schon über 50 Euro - nur dafür, dass Geräte ungenutzt im Hintergrund Strom ziehen.
Die größten Kosten im Winter entstehen durch das Heizen. Mit einfachen Maßnahmen lässt sich im Wohnzimmer viel sparen, ohne zu frieren.
Beim Licht zählt nicht die Anzahl der Lampen, sondern die Art der Leuchtmittel und die Dauer, in der sie unnötig brennen.
Viele gemütliche Aktivitäten brauchen wenig oder kaum Strom. Besonders für Familien, WGs und Studierende kann es helfen, feste „stromleichte“ Abende einzuplanen.
Eine Decke kostet zwar in der Anschaffung etwas, aber im Betrieb keinen Strom. Wer abends auf dem Sofa sitzt und sich einwickelt, kann die Raumtemperatur oft um 1 Grad niedriger wählen, ohne zu frieren.
Wie stark wirkt das?
Im Vergleich dazu sind strombetriebene Heizkissen oder -decken deutlich teurer im Verbrauch, wenn sie jeden Abend stundenlang laufen. Eine einfache, warme Decke ist daher oft die langfristig günstigere Lösung.
Im Wohnzimmer wird im Winter viel Zeit verbracht – und genau dort entscheidet sich ein großer Teil der Energie- und Stromkosten. Die größten Hebel liegen selten bei Kerzen oder Lichterketten, sondern bei der Art des Heizens und den Geräten, die über Stunden laufen oder dauerhaft im Standby sind.
Wer elektrische Heizlüfter nur sehr gezielt und kurz nutzt, die zentrale Heizung sinnvoll einstellt, alte Leuchtmittel gegen LEDs tauscht und Standby-Fresser konsequent ausschaltet, kann die laufenden Kosten spürbar senken, ohne auf Gemütlichkeit zu verzichten. Kuscheldecken, gezielte Beleuchtung und bewusst gewählte gemeinsame Aktivitäten machen den Winterabend angenehm – und das Haushaltsbuch bleibt entspannt.