Abends Serien schauen, Homeoffice am Esstisch, Spieleabende auf dem Sofa: Im Winter spielt sich das Leben oft im Wohnzimmer ab. Genau dort läuft die Heizung dann viele Stunden am Tag. Die Frage liegt nahe: Ist es günstiger, das Zimmer mit Teppichen, Vorhängen und Decken gemütlich und wärmer zu machen – oder einfach den Heizregler ein bis zwei Stufen höher zu drehen?
Der verbreitete Gedanke: „Eine Stufe höher an der Heizung ist doch billiger, als jetzt noch Teppiche, Vorhänge und Co. zu kaufen.“ Dieser Artikel schaut sich das für ein typisches Wohnzimmer in einem Wintermonat genauer an und stellt zwei Verhaltensweisen gegenüber.
Für den Vergleich geht es nur um das Wohnzimmer. Die übrigen Räume bleiben gleich warm wie bisher.
Die Beispielrechnungen sind fiktiv, aber realistisch und sollen vor allem zeigen, wie du die Größenordnungen für deinen eigenen Haushalt einschätzen kannst.
Damit die Kosten vergleichbar sind, braucht es ein paar Annahmen für ein typisches Wohnzimmer:
Wichtig: Die folgenden Zahlen dienen als Orientierung und sind bewusst gerundet, damit sie leicht nachvollziehbar bleiben.
Typische Faustregel: 1 Grad weniger Raumtemperatur spart rund 6 % Heizenergie. Das gilt zwar für die ganze Wohnung, gibt aber eine gute Richtung vor.
Nehmen wir an, deine gesamte Heizkostenabrechnung für einen Wintermonat würde bei gleichbleibendem Verhalten bei etwa 180 Euro liegen. Das Wohnzimmer macht davon ungefähr ein Drittel aus, also rund 60 Euro im Monat.
Wenn 1 Grad weniger etwa 6 % spart, heißt das:
Dreht man die Heizung dagegen 2 Grad höher, kostet das Wohnzimmer in unserem Beispiel ungefähr 7–8 Euro mehr pro Monat. Klingt auf den ersten Blick nicht dramatisch, summiert sich aber über den gesamten Winter.
Schauen wir zunächst auf die vermeintlich bequeme Lösung: nichts umstellen, keine neuen Anschaffungen, einfach das Thermostat höher drehen.
| Posten | Monatliche Mehrkosten (fiktiv) |
|---|---|
| 2 Grad mehr im Wohnzimmer | ca. 7,20 Euro |
| Über 5 Wintermonate | ca. 36 Euro |
Bei kalten Wintern oder sehr zugigen Wohnungen kann dieser Wert deutlich steigen, bei gut gedämmten Häusern eher niedriger sein. Klar ist: Jede zusätzliche Gradzahl kostet dich jeden Wintermonat aufs Neue.
Finanzieller Vorteil von Strategie B: Keine Einmalkosten. Nachteil: Die Mehrkosten entstehen jedes Jahr wieder. Außerdem fühlt sich die Luft bei höheren Temperaturen oft trockener und weniger angenehm an – besonders, wenn das Zimmer eigentlich schlecht isoliert ist.
Jetzt zur Alternative: Das Wohnzimmer so einrichten, dass es sich schon bei etwas geringerer Lufttemperatur warm anfühlt. Im Mittelpunkt stehen:
Das Ziel: 1–2 Grad weniger Heizung bei gleich hohem Wohlfühlfaktor.
Nehmen wir an, du richtest dein Wohnzimmer gezielt „wärmer“ ein, ohne das Budget zu sprengen. Das könnte so aussehen:
Einmalige Kosten: 110 Euro.
Durch diese Maßnahmen schaffst du es, die Temperatur im Wohnzimmer von 22 auf 20 Grad zu senken, ohne zu frieren. Die Ersparnis:
Nach etwa 3 Heizperioden hätten sich die Anschaffungen in diesem Beispiel allein durch das Wohnzimmer rechnerisch amortisiert. Bleiben Teppich und Vorhänge länger im Einsatz, profitierst du in den folgenden Wintern weiter von den Einsparungen.
Der Mythos lautet: „Bevor Geld für Teppiche und Vorhänge ausgegeben wird, lieber die Heizung höher drehen, das ist günstiger.“
Die Beispielrechnung zeigt etwas anderes:
Wichtig ist der Blick über nur einen Monat hinaus. Wer Winter für Winter immer wieder ein paar Grad höher dreht, zahlt Jahr für Jahr erneut dafür – ohne bleibenden Gegenwert.
Viele kennen es: Im Flur ist es kühl, im Wohnzimmer fast tropisch. Zwischen Küche, Bad und Wohnzimmer entsteht ein kleiner Wärmeschock, der oft dazu verleitet, das Wohnzimmer noch wärmer zu machen.
Eine bessere Idee ist, im Wohnzimmer gezielt Wohlfühlzonen zu schaffen:
Diese Zonen werden besonders abends genutzt – genau dann, wenn die Heizung am meisten läuft. Je besser sie „passiv“ warm halten, desto entspannter lässt sich die Temperatur am Thermostat etwas reduzieren.
Auch mit kleinem Budget lässt sich im Wohnzimmer einiges erreichen. Entscheidend ist nicht, ob alles neu gekauft wird, sondern wie schlau du planst.
Für Haushalte mit knappem Budget kann es helfen, Anschaffungen rund um das Thema Wärme bewusst im Haushaltsbuch zu markieren. So wird sichtbar, dass diese Ausgaben nicht nur „Deko“ sind, sondern langfristig Heizkosten verringern können.
Ein mögliches Vorgehen:
Besonders bei gebrauchten Teppichen und Vorhängen lässt sich mit wenig Geld viel erreichen. Solche Anschaffungen sind nicht nach einer Saison „verbraucht“, sondern begleiten den Haushalt über mehrere Winter.
Nicht jede Maßnahme passt für jede Wohnsituation. Trotzdem gibt es für beide Varianten eine klare Richtung.
| Aspekt | Strategie A: Wohnzimmer gemütlich dämmen | Strategie B: Heizung höher drehen |
|---|---|---|
| Kostenstart | Einmalige Ausgaben (Teppich, Vorhänge, Decken) | Keine Zusatzkosten zu Beginn |
| Laufende Kosten | Geringere Heizkosten bei 1–2 Grad weniger | Jeden Monat höhere Heizkosten |
| Komfort | Wärmere Füße, weniger Zugluft, gemütlicher Raum | Schnelle Wärme, aber oft trockene Luft, kalter Boden bleibt |
| Flexibilität | Einrichtung kann mit umziehen, anpassbar an neue Räume | An die aktuelle Wohnung gebunden |
| Finanzielle Wirkung | Rechnet sich über mehrere Winter, spart langfristig | Kosten fallen jedes Jahr erneut an |
Beim Winter-Wohnzimmer entscheidet weniger die Zahl auf dem Thermostat, sondern vor allem das persönliche Wärmegefühl. Ein Raum mit warmem Boden, geschlossenen Vorhängen und gemütlichen Decken kann sich bei 20 Grad angenehmer anfühlen als ein kahles Zimmer bei 22 Grad.
Das reine „hochdrehen“ der Heizung ist kurzfristig bequem, wird aber Jahr für Jahr teurer bezahlt. Wer dagegen gezielt in Teppiche, Vorhänge und eine clevere Möbelanordnung investiert, kann die Temperatur im Wohnzimmer meist um 1–2 Grad senken, ohne auf Komfort zu verzichten. Diese Maßnahmen helfen, die Heizkosten kontrollierbarer zu machen und den Winterabend im Wohnzimmer nicht zur Kostenfalle werden zu lassen.