04. Januar 2026 | Ratgeber

Winter-Wohnzimmer im Kosten-Duell: Kuscheldecke und Teppich vs. höher drehen an der Heizung

Winter-Wohnzimmer im Kosten-Duell: Kuscheldecke und Teppich vs. höher drehen an der Heizung

Warum das Wohnzimmer im Winter so teuer werden kann

Abends Serien schauen, Homeoffice am Esstisch, Spieleabende auf dem Sofa: Im Winter spielt sich das Leben oft im Wohnzimmer ab. Genau dort läuft die Heizung dann viele Stunden am Tag. Die Frage liegt nahe: Ist es günstiger, das Zimmer mit Teppichen, Vorhängen und Decken gemütlich und wärmer zu machen – oder einfach den Heizregler ein bis zwei Stufen höher zu drehen?

Der verbreitete Gedanke: „Eine Stufe höher an der Heizung ist doch billiger, als jetzt noch Teppiche, Vorhänge und Co. zu kaufen.“ Dieser Artikel schaut sich das für ein typisches Wohnzimmer in einem Wintermonat genauer an und stellt zwei Verhaltensweisen gegenüber.

Die zwei Strategien im Vergleich

Für den Vergleich geht es nur um das Wohnzimmer. Die übrigen Räume bleiben gleich warm wie bisher.

  • Strategie A – „Mehr Stoff, weniger Grad“: Teppich, dicke Vorhänge, eine zusätzliche Kuscheldecke und ein paar kleine Verhaltensänderungen. Ziel: Wohlfühlgefühl trotz 1–2 Grad weniger Heiztemperatur.
  • Strategie B – „Regler hoch, fertig“: Keine Änderungen an der Einrichtung, dafür die Heizung um 2 Grad höher eingestellt.

Die Beispielrechnungen sind fiktiv, aber realistisch und sollen vor allem zeigen, wie du die Größenordnungen für deinen eigenen Haushalt einschätzen kannst.

Grundlage: Unser fiktives Wohnzimmer

Damit die Kosten vergleichbar sind, braucht es ein paar Annahmen für ein typisches Wohnzimmer:

  • Wohnzimmergröße: 20 Quadratmeter
  • Nutzung: täglich ca. 8 Stunden (abends und am Wochenende länger)
  • Heizart: Zentralheizung mit Heizkörper, Energie über Gas
  • Aktuelle Wunschtemperatur: 22 Grad im Wohnzimmer
  • Geplante Heizperiode im Beispiel: 1 Wintermonat = 30 Tage

Wichtig: Die folgenden Zahlen dienen als Orientierung und sind bewusst gerundet, damit sie leicht nachvollziehbar bleiben.

Was kostet dich 1 Grad mehr im Wohnzimmer?

Typische Faustregel: 1 Grad weniger Raumtemperatur spart rund 6 % Heizenergie. Das gilt zwar für die ganze Wohnung, gibt aber eine gute Richtung vor.

Nehmen wir an, deine gesamte Heizkostenabrechnung für einen Wintermonat würde bei gleichbleibendem Verhalten bei etwa 180 Euro liegen. Das Wohnzimmer macht davon ungefähr ein Drittel aus, also rund 60 Euro im Monat.

Wenn 1 Grad weniger etwa 6 % spart, heißt das:

  • 1 Grad weniger im Wohnzimmer spart ca. 3,60 Euro pro Monat (6 % von 60 Euro).
  • 2 Grad weniger sparen ca. 7,20 Euro pro Monat.

Dreht man die Heizung dagegen 2 Grad höher, kostet das Wohnzimmer in unserem Beispiel ungefähr 7–8 Euro mehr pro Monat. Klingt auf den ersten Blick nicht dramatisch, summiert sich aber über den gesamten Winter.

Strategie B: Heizung höher drehen – was kostet das wirklich?

Schauen wir zunächst auf die vermeintlich bequeme Lösung: nichts umstellen, keine neuen Anschaffungen, einfach das Thermostat höher drehen.

PostenMonatliche Mehrkosten (fiktiv)
2 Grad mehr im Wohnzimmerca. 7,20 Euro
Über 5 Wintermonateca. 36 Euro

Bei kalten Wintern oder sehr zugigen Wohnungen kann dieser Wert deutlich steigen, bei gut gedämmten Häusern eher niedriger sein. Klar ist: Jede zusätzliche Gradzahl kostet dich jeden Wintermonat aufs Neue.

Finanzieller Vorteil von Strategie B: Keine Einmalkosten. Nachteil: Die Mehrkosten entstehen jedes Jahr wieder. Außerdem fühlt sich die Luft bei höheren Temperaturen oft trockener und weniger angenehm an – besonders, wenn das Zimmer eigentlich schlecht isoliert ist.

Strategie A: Wohnzimmer „passiv wärmer“ machen

Jetzt zur Alternative: Das Wohnzimmer so einrichten, dass es sich schon bei etwas geringerer Lufttemperatur warm anfühlt. Im Mittelpunkt stehen:

  • Teppiche auf kaltem Boden
  • Schwere Vorhänge vor zugigen Fenstern
  • Kuscheldecken auf dem Sofa
  • Die richtige Position der Möbel
  • Kleine Verhaltensänderungen im Alltag

Das Ziel: 1–2 Grad weniger Heizung bei gleich hohem Wohlfühlfaktor.

Beispielrechnung: Einmal investieren, dauerhaft sparen

Nehmen wir an, du richtest dein Wohnzimmer gezielt „wärmer“ ein, ohne das Budget zu sprengen. Das könnte so aussehen:

  • Gebrauchter mittelgroßer Teppich für den Bereich vor Sofa und Couchtisch: 40 Euro
  • Günstige, dickere Vorhänge (neu oder gebraucht): 50 Euro
  • Zwei Kuscheldecken: zusammen 20 Euro

Einmalige Kosten: 110 Euro.

Durch diese Maßnahmen schaffst du es, die Temperatur im Wohnzimmer von 22 auf 20 Grad zu senken, ohne zu frieren. Die Ersparnis:

  • 2 Grad weniger im Wohnzimmer = ca. 7,20 Euro Ersparnis pro Monat (auf Basis der 60 Euro aus dem Beispiel)
  • Über 5 Heizmonate: 36 Euro weniger Heizkosten

Nach etwa 3 Heizperioden hätten sich die Anschaffungen in diesem Beispiel allein durch das Wohnzimmer rechnerisch amortisiert. Bleiben Teppich und Vorhänge länger im Einsatz, profitierst du in den folgenden Wintern weiter von den Einsparungen.

Mythos im Check: Ist höher drehen wirklich billiger?

Der Mythos lautet: „Bevor Geld für Teppiche und Vorhänge ausgegeben wird, lieber die Heizung höher drehen, das ist günstiger.“

Die Beispielrechnung zeigt etwas anderes:

  • Kurzfristig wirkt es zwar billiger, kein Geld für Einrichtung in die Hand zu nehmen.
  • Langfristig frisst die dauerhaft höhere Heiztemperatur die vermeintliche Ersparnis langsam, aber sicher auf.
  • Textilien und clevere Einrichtung verbessern nicht nur den Geldbeutel, sondern auch den Komfort: weniger Zugluft, weniger kalte Füße, gemütlichere Atmosphäre.

Wichtig ist der Blick über nur einen Monat hinaus. Wer Winter für Winter immer wieder ein paar Grad höher dreht, zahlt Jahr für Jahr erneut dafür – ohne bleibenden Gegenwert.

Wohlfühlzonen statt Wärmeschock: So sieht das im Alltag aus

Viele kennen es: Im Flur ist es kühl, im Wohnzimmer fast tropisch. Zwischen Küche, Bad und Wohnzimmer entsteht ein kleiner Wärmeschock, der oft dazu verleitet, das Wohnzimmer noch wärmer zu machen.

Eine bessere Idee ist, im Wohnzimmer gezielt Wohlfühlzonen zu schaffen:

  • Sofa-Ecke: Dicker Teppich vor der Couch, Füße nicht auf kalten Fliesen oder Laminat. Zwei Decken griffbereit, eventuell ein Sitzpouf, der nicht direkt an der Außenwand steht.
  • Homeoffice im Wohnzimmer: Schreibtisch nicht direkt vor das Fenster mit Zugluft stellen, sondern eher an eine Innenwand. Eine zusätzliche Sitzauflage und eventuell ein kleiner, dichter Teppich unter dem Schreibtisch.
  • Spiele- oder Leseecke: Sitzkissen auf dem Boden nur auf einem Teppich, nicht direkt auf dem kalten Boden. Stehlampe mit warmem Licht, damit der Raum auch optisch gemütlich wirkt.

Diese Zonen werden besonders abends genutzt – genau dann, wenn die Heizung am meisten läuft. Je besser sie „passiv“ warm halten, desto entspannter lässt sich die Temperatur am Thermostat etwas reduzieren.

Praktische Spartipps für Familien, WGs und Studierende

Auch mit kleinem Budget lässt sich im Wohnzimmer einiges erreichen. Entscheidend ist nicht, ob alles neu gekauft wird, sondern wie schlau du planst.

  • Tür zum Flur schließen: So bleibt die Wärme da, wo sie gebraucht wird. Offene Türen lassen teure Heizwärme in wenig genutzte Bereiche ziehen.
  • Sofa an die Innenwand: Wer mit dem Rücken an einer kalten Außenwand sitzt, friert schneller und dreht automatisch höher. Eine Innenwand fühlt sich spürbar wärmer an.
  • Dicker Teppich vor der Couch: Selbst ein gebrauchter Teppich macht einen großen Unterschied für das Wärmeempfinden. Kalte Füße sind oft der Grund, warum es im Raum „zu kalt“ wirkt.
  • Vorhänge abends schließen: Das reduziert Kälteabstrahlung von Fenstern. Tagsüber geöffnet lassen, damit Sonnenwärme reinkommt.
  • Wenige, gezielte Kuschelplätze: Lieber eine richtig gemütliche Sofa-Ecke als überall ein bisschen. So lässt sich die Gesamttemperatur eher senken.
  • Warme Kleidung fest einplanen: Ein dicker Pullover und warme Socken im Wohnzimmer gehören zur Winterroutine. Wer ohnehin eine Stunde auf dem Sofa sitzt, kann sich gut eine Decke über die Beine legen.

Gebrauchte Teppiche und Vorhänge ins Budget einplanen

Für Haushalte mit knappem Budget kann es helfen, Anschaffungen rund um das Thema Wärme bewusst im Haushaltsbuch zu markieren. So wird sichtbar, dass diese Ausgaben nicht nur „Deko“ sind, sondern langfristig Heizkosten verringern können.

Ein mögliches Vorgehen:

  • Kategorie im Haushaltsbuch: „Wohnkomfort und Energie“ statt nur „Dekoration“.
  • Obergrenze festlegen: Zum Beispiel maximal 20–30 Euro im Monat für gebrauchte Textilien und kleine Verbesserungen.
  • Nach 3–4 Monaten kurz prüfen: Wie haben sich die Heizkosten entwickelt? Lässt sich die Temperatur bewusst 1–2 Grad niedriger halten, ohne dass jemand im Haushalt friert?

Besonders bei gebrauchten Teppichen und Vorhängen lässt sich mit wenig Geld viel erreichen. Solche Anschaffungen sind nicht nach einer Saison „verbraucht“, sondern begleiten den Haushalt über mehrere Winter.

Mietwohnung oder Eigenheim: Was lohnt sich wo?

Nicht jede Maßnahme passt für jede Wohnsituation. Trotzdem gibt es für beide Varianten eine klare Richtung.

In der Mietwohnung

  • Mobil statt fest verbaut: Teppiche, Vorhänge, Decken und Möbelpositionen können beim Umzug einfach mitgenommen werden. Diese Maßnahmen lohnen sich fast immer.
  • Keine großen Bauarbeiten: Wände dämmen oder Fenster tauschen ist Sache der Eigentümer. Umso wichtiger sind flexible Lösungen wie Textilien und clevere Raumnutzung.
  • Kurzfristiger Effekt: Schon ein einziger Teppich kann das Gefühl im Raum deutlich verändern und damit eine Gradabsenkung ermöglichen.

Im Eigenheim

  • Kombination aus Sofort- und Langfristmaßnahmen: Teppiche und Vorhänge für den direkten Effekt, langfristig lohnen sich oft auch bauliche Verbesserungen.
  • Längere Nutzungsdauer: Wer lange im Haus bleiben möchte, profitiert stärker von jedem Grad weniger Raumtemperatur über viele Jahre.
  • Ganzes Haus im Blick: Wenn das Wohnzimmer als „Wohlfühlraum“ gut optimiert ist, lässt sich vielleicht in anderen Räumen die Temperatur zusätzlich leicht senken.

Strategie-Vergleich im Überblick

AspektStrategie A: Wohnzimmer gemütlich dämmenStrategie B: Heizung höher drehen
KostenstartEinmalige Ausgaben (Teppich, Vorhänge, Decken)Keine Zusatzkosten zu Beginn
Laufende KostenGeringere Heizkosten bei 1–2 Grad wenigerJeden Monat höhere Heizkosten
KomfortWärmere Füße, weniger Zugluft, gemütlicher RaumSchnelle Wärme, aber oft trockene Luft, kalter Boden bleibt
FlexibilitätEinrichtung kann mit umziehen, anpassbar an neue RäumeAn die aktuelle Wohnung gebunden
Finanzielle WirkungRechnet sich über mehrere Winter, spart langfristigKosten fallen jedes Jahr erneut an

Fazit: Wärmegefühl klug planen statt nur am Regler drehen

Beim Winter-Wohnzimmer entscheidet weniger die Zahl auf dem Thermostat, sondern vor allem das persönliche Wärmegefühl. Ein Raum mit warmem Boden, geschlossenen Vorhängen und gemütlichen Decken kann sich bei 20 Grad angenehmer anfühlen als ein kahles Zimmer bei 22 Grad.

Das reine „hochdrehen“ der Heizung ist kurzfristig bequem, wird aber Jahr für Jahr teurer bezahlt. Wer dagegen gezielt in Teppiche, Vorhänge und eine clevere Möbelanordnung investiert, kann die Temperatur im Wohnzimmer meist um 1–2 Grad senken, ohne auf Komfort zu verzichten. Diese Maßnahmen helfen, die Heizkosten kontrollierbarer zu machen und den Winterabend im Wohnzimmer nicht zur Kostenfalle werden zu lassen.

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