31. December 2025 | How-Tow

Winter-Stromfresser im Wohnzimmer: Mythos-Check zu Decken, Kerzen und Spar-Heizlüftern

Winter-Stromfresser im Wohnzimmer: Mythos-Check zu Decken, Kerzen und Spar-Heizlüftern

Winter im Wohnzimmer: gemütlich oder heimlicher Kostentreiber?

Wenn es draußen kalt und dunkel wird, wandert der Alltag ins Wohnzimmer: Heizung hochdrehen, Filmabende, Lichterketten, Kerzen und vielleicht noch ein kleiner Heizlüfter neben dem Sofa. Vieles davon gilt als harmlos oder sogar als Spartipp. Ein genauer Blick zeigt jedoch: Manche Winter-Gewohnheit ist teurer als gedacht, andere dagegen sind fast kostenlos.

Dieser Mythos-Check räumt mit typischen Denkfehlern auf und zeigt, welche Entscheidungen sich im Haushaltsbuch wirklich bemerkbar machen.

Mythos 1: „Ein kleiner Heizlüfter ist günstiger als die Heizung aufzudrehen“

Heizlüfter wirken praktisch: Stecker in die Steckdose, warme Luft sofort. Viele glauben, das sei sparsamer, als die zentrale Heizung höher zu stellen. Das stimmt nur sehr selten.

Wie viel frisst ein Heizlüfter pro Abend?

Typische Daten:

  • Leistung: 2.000 Watt (2 kW)
  • Nutzung: 3 Stunden am Abend
  • Strompreis: 0,35 Euro pro kWh (Durchschnittswert)

Berechnung für einen Abend:

  • 2 kW × 3 Stunden = 6 kWh
  • 6 kWh × 0,35 Euro = 2,10 Euro pro Abend

30 Abende im Monat:

  • 2,10 Euro × 30 = 63 Euro pro Monat

Das ist allein für die zusätzliche Heizlüfter-Wärme im Wohnzimmer – andere Geräte sind dabei noch nicht eingerechnet.

Was kostet es, die Heizung 1–2 Grad höher zu stellen?

Zimmerheizungen arbeiten mit Gas, Fernwärme oder einer zentralen Wärmepumpe. Sie sind für die Raumheizung optimiert und meist deutlich günstiger als Stromheizungen.

Grobe Faustregel:

  • 1 Grad weniger Raumtemperatur spart etwa 6 % Heizenergie

Umgekehrt bedeutet 1 Grad mehr: etwa 6 % höhere Heizkosten. Beispiel für eine typische 70-Quadratmeter-Wohnung:

  • Monatliche Heizkosten im Winter: etwa 120 Euro
  • 1 Grad höher im gesamten Wohnbereich: +6 % = +7,20 Euro pro Monat
  • 2 Grad höher: rund +14,40 Euro pro Monat

Direkter Vergleich: Heizlüfter vs. Heizung

VarianteNutzungMonatskosten (Beispiel)
Heizlüfter im Wohnzimmer 3 Stunden täglich ca. 63 Euro zusätzlich
Zentralheizung +1 Grad ganze Wohnung ca. 7,20 Euro zusätzlich
Zentralheizung +2 Grad ganze Wohnung ca. 14,40 Euro zusätzlich

Ergebnis: Ein regelmäßig genutzter Heizlüfter ist in den meisten Fällen deutlich teurer als 1–2 Grad mehr an der zentralen Heizung. Sinnvoll kann er nur sein, wenn er extrem begrenzt genutzt wird, zum Beispiel für 10–15 Minuten im Bad – nicht für jeden Winterabend im Wohnzimmer.

Mythos 2: „Kerzen statt Licht senken die Stromrechnung deutlich“

Kerzenlicht ist stimmungsvoll – und wirkt gleichzeitig wie ein Spartipp: Licht aus, Kerzen an. Doch die Stromersparnis ist kleiner als gedacht.

Kerzen vs. LED-Licht im Zahlenvergleich

Angenommen, im Wohnzimmer brennen abends drei LED-Lampen:

  • Leistung pro LED: 8 Watt
  • 3 Lampen: 24 Watt = 0,024 kW
  • Nutzung: 4 Stunden am Abend

Stromverbrauch pro Abend:

  • 0,024 kW × 4 Stunden = 0,096 kWh
  • 0,096 kWh × 0,35 Euro ≈ 0,03 Euro pro Abend

Auf den Monat gerechnet (30 Abende):

  • 0,03 Euro × 30 ≈ 0,90 Euro im Monat

Wird das Wohnzimmerlicht komplett durch Kerzen ersetzt, spart das also im besten Fall unter 1 Euro im Monat.

Dafür bräuchte es schon mehrere Teelichter oder Stumpenkerzen pro Abend. Die kosten im Einkauf meist deutlich mehr als die Stromersparnis, von Sicherheit und Luftqualität ganz abgesehen.

Fazit: Kerzen sind schön für die Stimmung, aber kein ernsthafter Hebel für die Stromrechnung. Wirklich lohnend wird es erst dort, wo noch alte Leuchtmittel durch LEDs ersetzt werden.

Mythos 3: „Die Lichterkette frisst den halben Strom“

Lichterketten gelten als klassischer Stromfresser. Das stimmt vor allem für alte Modelle mit Glühlämpchen. Moderne LED-Lichterketten sind dagegen recht genügsam.

LED-Lichterkette: Wie teuer ist die Deko wirklich?

Beispiel für eine LED-Lichterkette im Wohnzimmer:

  • Leistung: 5 Watt
  • Nutzung: 6 Stunden täglich (abends)
  • Zeitraum: 90 Wintertage (Dezember bis Februar)

Berechnung:

  • 0,005 kW × 6 Stunden = 0,03 kWh pro Tag
  • 0,03 kWh × 0,35 Euro ≈ 0,01 Euro pro Tag
  • 90 Tage × 0,01 Euro ≈ 0,90 Euro für den ganzen Winter

Eine einzige LED-Lichterkette ist also nicht das Problem. Mehrere Ketten, dazu noch Leuchten mit alten Halogen- oder Glühbirnen, können zusammen aber durchaus spürbar werden.

Mythos 4: „TV-Marathon ist doch günstiger als Ausgehen“

Viele Winterabende enden auf dem Sofa mit Serien oder Filmen. Im Vergleich zu Restaurant oder Kino ist das zwar günstiger, aber auch hier summiert sich der Strom.

Was kostet ein Filmabend im Wohnzimmer?

Typischer Filmabend in einer Familie oder WG:

  • Fernseher: 100 Watt
  • Streaming-Box oder Konsole: 20–80 Watt (hier: 50 Watt angenommen)
  • Beleuchtung mit LEDs: 24 Watt (wie im Beispiel oben)
  • Gesamtleistung: rund 174 Watt = 0,174 kW
  • Spieldauer: 4 Stunden

Verbrauch pro Abend:

  • 0,174 kW × 4 Stunden ≈ 0,696 kWh
  • 0,696 kWh × 0,35 Euro ≈ 0,24 Euro pro Filmabend

30 Abende im Monat:

  • 0,24 Euro × 30 ≈ 7,20 Euro

Der Strom für die Technik ist also gar nicht so teuer. Richtig ins Gewicht fällt der TV-Marathon oft an anderer Stelle: Snacks, Lieferessen, Getränke. Diese Ausgaben tauchen im Haushaltsbuch viel deutlicher auf als der Strom selbst.

Dennoch lohnt es sich, die Geräte effizient zu nutzen.

Mythos 5: „Standby ist doch Peanuts“

Viele Wohnzimmergeräte laufen dauerhaft im Bereitschaftsmodus: Fernseher, Soundanlage, Spielekonsole, Receiver, Router, Ladegeräte. Jedes einzelne Gerät verbraucht wenig, zusammen entsteht jedoch ein Dauerstrom, der Monat für Monat mitläuft.

Kleinvieh macht auch Stromkosten

Ein Beispiel-Wohnzimmer mit:

  • Fernseher im Standby: 5 Watt
  • Konsole im Standby: 4 Watt
  • Soundanlage im Standby: 3 Watt
  • Receiver im Standby: 5 Watt

Gesamt: 17 Watt Standby-Leistung = 0,017 kW, rund um die Uhr.

Verbrauch im Monat:

  • 0,017 kW × 24 Stunden × 30 Tage ≈ 12,24 kWh
  • 12,24 kWh × 0,35 Euro ≈ 4,30 Euro pro Monat

Aufs Jahr gerechnet sind das schon über 50 Euro - nur dafür, dass Geräte ungenutzt im Hintergrund Strom ziehen.

Effizient heizen im Wohnzimmer: so bleibt es warm und günstiger

Die größten Kosten im Winter entstehen durch das Heizen. Mit einfachen Maßnahmen lässt sich im Wohnzimmer viel sparen, ohne zu frieren.

Thermostat richtig einstellen

  • Wohlfühltemperatur festlegen: Für das Wohnzimmer reichen 20–21 Grad meist aus. Jedes zusätzliche Grad kostet rund 6 % mehr Heizenergie.
  • Konstant statt Achterbahn: Die Heizung stark abzudrehen und später wieder voll aufzudrehen, ist oft ungünstiger, als eine moderate, gleichmäßige Einstellung.
  • Nachtabsenkung nutzen: Nachts oder bei längerer Abwesenheit 2–3 Grad herunterstellen spart Energie, ohne dass der Raum komplett auskühlt.

Heizkörper frei halten

  • Keine dicken Vorhänge oder Möbel direkt vor dem Heizkörper: Sie blockieren die Wärmeabgabe in den Raum.
  • Heizkörper entlüften: Gluckernde Heizkörper heizen schlechter. Rechtzeitiges Entlüften verbessert die Leistung.
  • Fenster und Türen prüfen: Dichtungsbänder und Zugluftstopper helfen, die Wärme im Raum zu halten.

Beleuchtung clever nutzen: wo sich der Tausch lohnt

Beim Licht zählt nicht die Anzahl der Lampen, sondern die Art der Leuchtmittel und die Dauer, in der sie unnötig brennen.

LED statt alte Leuchtmittel

  • Alte Halogen- oder Glühbirnen zuerst tauschen: Hier ist die Einsparung pro Stunde deutlich größer als bei bereits vorhandenen LEDs.
  • Lichtzonen schaffen: Statt das ganze Wohnzimmer mit Deckenlampen auszuleuchten, gezielt Stehlampen oder Leselampen nutzen.
  • Timer und Steckdosenleisten: Deko-Beleuchtung, die abends automatisch ausgeht, verhindert, dass Lampen die ganze Nacht brennen.

Alltagstaugliche Beispiele: günstige Winterabende im Wohnzimmer

Viele gemütliche Aktivitäten brauchen wenig oder kaum Strom. Besonders für Familien, WGs und Studierende kann es helfen, feste „stromleichte“ Abende einzuplanen.

Ideen für Familien

  • Spielabend statt Dauer-Streaming: Gesellschaftsspiele oder Puzzeln benötigen nur etwas Licht. Die Heizung läuft ohnehin, zusätzliche Stromkosten bleiben gering.
  • Gemeinsam kochen und danach auf dem Sofa ausklingen: Der Backofen oder Herd heizt die Küche leicht mit auf, das anschließende Entspannen im Wohnzimmer braucht vor allem Licht und vielleicht Musik.
  • Vorlesestunde: Ein gutes Kinderbuch und eine warme Decke sorgen für Gemütlichkeit – Strombedarf: eine Leselampe.

Ideen für WGs und Studierende

  • Serienabend bündeln: Statt jeden Abend stundenlang zu streamen, ein oder zwei feste Abende mit wenigen, ausgewählten Folgen. Das reduziert auch „Nebenbei-Schauen“ und Snack-Ausgaben.
  • Gemeinsame Kochaktionen: Selbstgekochtes Essen ist oft günstiger als Lieferdienste, und der zusätzliche Strom fürs Kochen fällt weniger ins Gewicht als die ersparten Bestellkosten.
  • Diskussions- oder Musikabend: Musik läuft auch bei geringem Stromverbrauch im Hintergrund, Gespräche kosten nichts. Eine kleine Runde Tee oder Kakao schafft Winterstimmung ohne Dauerbespaßung durch den Bildschirm.

Kuscheldecken: der unterschätzte Sparfaktor

Eine Decke kostet zwar in der Anschaffung etwas, aber im Betrieb keinen Strom. Wer abends auf dem Sofa sitzt und sich einwickelt, kann die Raumtemperatur oft um 1 Grad niedriger wählen, ohne zu frieren.

Wie stark wirkt das?

  • Bei 120 Euro Heizkosten im Monat spart 1 Grad weniger etwa 7 Euro monatlich.
  • Über eine ganze Heizperiode können so schnell 30–50 Euro und mehr zusammenkommen.

Im Vergleich dazu sind strombetriebene Heizkissen oder -decken deutlich teurer im Verbrauch, wenn sie jeden Abend stundenlang laufen. Eine einfache, warme Decke ist daher oft die langfristig günstigere Lösung.

Die größten Denkfehler im Wohnzimmer auf einen Blick

  • „Kleiner Heizlüfter, kleine Kosten“: In Wahrheit gehören elektrische Heizgeräte zu den teuersten Stromverbrauchern im Haushalt.
  • „Kerzenlicht spart Strom“: Die Ersparnis ist minimal, Kerzen sind vor allem für die Stimmung da.
  • „Die Lichterkette ist das Problem“: Moderne LED-Ketten sind sparsam, alte Leuchtmittel und ungebremster Standby-Verbrauch fallen stärker ins Gewicht.
  • „Standby lohnt sich für den Komfort“: Mehrere Geräte im Dauer-Bereitschaftsmodus verursachen zusammen spürbare Zusatzkosten.
  • „TV-Marathon ist praktisch kostenlos“: Der Strom ist zwar nicht extrem teuer, aber Snacks, Lieferessen und Gewohnheiten rundherum schlagen in der Haushaltsrechnung spürbar zu.

Fazit: Wo sich das Hinschauen im Winter wirklich lohnt

Im Wohnzimmer wird im Winter viel Zeit verbracht – und genau dort entscheidet sich ein großer Teil der Energie- und Stromkosten. Die größten Hebel liegen selten bei Kerzen oder Lichterketten, sondern bei der Art des Heizens und den Geräten, die über Stunden laufen oder dauerhaft im Standby sind.

Wer elektrische Heizlüfter nur sehr gezielt und kurz nutzt, die zentrale Heizung sinnvoll einstellt, alte Leuchtmittel gegen LEDs tauscht und Standby-Fresser konsequent ausschaltet, kann die laufenden Kosten spürbar senken, ohne auf Gemütlichkeit zu verzichten. Kuscheldecken, gezielte Beleuchtung und bewusst gewählte gemeinsame Aktivitäten machen den Winterabend angenehm – und das Haushaltsbuch bleibt entspannt.

Download the Budget Tracker MyMicroBalance for Windows, Android or iOS